Digital Project: Digitale Lösung für die Umsetzung der Stellenmeldepflicht

Das erste Digital Project im Rahmen der Initiative «Are you digital?» nähert sich seinem Abschluss. Es handelt sich dabei um eine digitale Lösung, die Unternehmen bei der Stellenmeldepflicht im Rahmen der MEI in effizienter Weise unterstützt.

Von Andreas Maeder

Im Februar 2014 wurde die von der SVP lancierte Masseneinwanderungsinitiative angenommen. Jetzt steht die Umsetzung direkt bevor - in Form einer Stellenmeldepflicht für Berufsarten mit hoher Arbeitslosigkeit. Zu vergebende Jobs müssen fünf Arbeitstage exklusiv für als arbeitslos registrierte Personen zugänglich sein, bevor sie öffentlich ausgeschrieben werden dürfen. Dies betrifft nicht nur Stelleninserate, sondern beispielsweise auch die Publikation auf der firmeneigenen Website. Für Unternehmen in den betroffenen Branchen bedeutet das einen enormen zusätzlichen administrativen Aufwand, aber auch Unsicherheit. Regelverstösse gegen die Stellenmeldepflicht können Geldbussen mit bis zu 40'000.- CHF zur Folge haben.

Stellenmeldepflicht als Digital Project

Abhilfe verspricht das erste Digital Project, das im Rahmen der Initiative «Are you digital?» umgesetzt wird. Dafür verantwortlich zeichnet die Basler Software-Schmiede Marseco. Sie ergänzt ihre HR-Software Mara um eine Schnittstelle zu den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV). Über diese werden zu vergebende Jobs in meldepflichtigen Berufsgattungen automatisch übermittelt. «Welche Branchen betroffen sind, gibt das RAV Mitte oder Ende April bekannt», erklärt Ramiz Zeneli, Geschäftsführer der Marseco Software AG. Er war im vergangenen Jahr auf die Handelskammer beider Basel zugegangen, weil er den Bedarf für einen möglichst aufwandsfreien Umgang mit der Stellenmeldepflicht erkannt hatte. Deswegen reichte er einen Antrag ein, das neue Software-Model als Digital Project zu entwickeln. Mit diesem Element der Initiative «Are you digital?» fördert die Handelskammer F&E-Projekte im Bereich der digitalen Transformation.

Pitch, um Projektzuschlag zu erhalten

«Um die Förderung als Digital Project zu erhalten, mussten wir unsere Idee bei der Handelskammer präsentieren. In der gesamten Vorbereitung haben unsere Mitarbeiter Manuel Born und Michel Kugler ihren Input für das Digital Project beigetragen.», erinnert sich Ramiz Zeneli. «Wir hatten acht Minuten Zeit für einen Pitch vor etwa einem Dutzend Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus verschiedenen Fachgebieten. Anschliessend gab es eine Fragenrunde.» Es entstand eine konstruktive Diskussion über unterschiedliche Aspekte des Projekts. «Schon alleine dieses strukturierte, direkte Feedback war ausgesprochen wertvoll», so Zeneli. Marseco erhielt von der Handelskammer den Zuschlag. Im Gegenzug wurden Milestones festgelegt, die Marseco bei der Entwicklung einzuhalten hat. Die Stellenmeldepflicht tritt im Juli in Kraft; bis dahin muss das Projekt also abgeschlossen sein. Für die Meilensteine wurden jedoch mehrere Szenarien skizziert, sollte von Seiten Seco her Anpassungen an der Schnittstelle vorgenommen werden. Über die Initiative «Are you digital?» und die Zusammenarbeit mit der Handelskammer beider Basel ist Ramiz Zeneli voll des Lobs: «Alle sprechen von digitaler Transformation und disruptiven Lösungen, aber es passiert noch nicht wirklich viel in diesem Bereich. Gerade deswegen finde ich das Angebot der Handelskammer super. Vor allem, weil es dazu beiträgt, Basel als Vorreiter in der Digitalisierung zu positionieren.»

Zur Stellenmeldepflicht

Die Stellenmeldepflicht als Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative tritt am 1. Juli 2018 in Kraft. Freie Stellen in Berufsarten mit einer Arbeitslosenquote von über 8 Prozent und ab Januar 2020 über 5 Prozent, müssen dem RAV gemeldet werden. 5 Tage nach Bestätigung durch das RAV dürfen die Stellen offen ausgeschrieben werden. Ausgenommen sind befristete Einsätze unter zwei Wochen sowie die Stellenvergabe an Mitarbeitende, die bereits seit einem halben Jahr oder mehr in anderer Funktion im Unternehmen tätig sind. Welche Berufsarten betroffen sind, gibt das Seco noch im April 2018 bekannt.

Über Mara

Mara ist die laut eigener Auskunft «erste digitale Recruiterin der Welt». Die HR-Software der Basler Marseco AG soll Unternehmen und Stellensuchenden helfen, administrative Prozesse zu vereinfachen und zu digitalisieren. Vor allem unterstützt sie dabei, den Rekrutierungsprozess an die heute oft mobilen Bedürfnisse der Stellensuchenden anzupassen. Als gesamte digitale HR-Lösung, werden dabei auch die neuen gesetzlichen Anforderungen betreffend der Stellenmeldepflicht (MEI) und der EU-DSGVO beachtet. Und bei Bedarf führt Mara auch mal ein Videointerview mit einer Bewerberin oder einem Bewerber - falls nötig sogar um 3 Uhr morgens.